Das Herz kennt nichts »Altes«;
es kennt nur den Augenblick.
Jeder Augenblick ist für ein offenes Herz
neu und einzigartig.
Deshalb unterscheidet das Herz nicht
zwischen »alt« und »neu«.
Immer, wenn du denkst »Das kenne ich schon«:
wenn du etwas uninteressant findest, weil du daran gewöhnt bist;
wenn du glaubst, jemanden zu kennen;
wenn du denkst oder sagst, dass du immer dies tust oder dass ‚ tust oder immer soundso bist …
immer dann spricht nicht dein Herz, sondern dein Verstand, der in einer Illusion gefangen ist.
Die Kraft deines Herzens kann alles besiegen, was dir im Wege ist:
Zweifel und Angst, Hass und Zwietracht, Groll und Feindschaft.
Nichts von alledem kann der Kraft des Herzens widerstehen. Denn das Herz kämpft nicht und greift nicht an, es überzeugt nicht, überredet nicht und verteidigt sich nicht.
Das Herz versteht und nimmt an.
Was verstanden und angenommen wird, entzerrt sich und gewinnt seine wahre Natur zurück: Liebe.
So verwandelt die Kraft des Herzens alles in Liebe.
Aus dem Herzen heraus zu leben, ist eine ständige Herausforderung.
Bis du in deinem Herzen Frieden und Sicherheit gefunden hast, wird jede Situation für dich eine Herausforderung sein.
Viele Male wirst du es vorziehen, dein Herz zu verschließen, um Schmerz zu entgehen; du wirst dein Herz zum Schweigen bringen, um Ärger und Unheil zu fliehen, und du wirst dich taub stellen, um die Stimme deines Herzens nicht zu hören, die dir sagt: Hier ist der Weg!
Der Weg, den es dir weist, zieht dich zwar an, weil du fühlst, dass es der deine ist; aber er scheint dir steinig zu sein, oder voller Dornen, oder zu weit.
So tust du, als hättest du die Stimme deines Herzens nicht gehört; als wüsstest du nicht genau, wo der richtige Weg liegt.
Jeden Weg aber, der nicht der deine ist, musst du früher oder später verlassen. Je länger du ihn beschreitest, desto unbehaglicher fühlst du dich. Auch dieses Unbehagen wirst du möglicherweise verdrängen; du sagst dir vielleicht: -Immerhin ist es hier sehr schön; es gibt einiges zu sehen; und es gibt viel zu lernen. Das ist sicherlich wahr; überall gibt es zu sehen und zu lernen.
Aber es gibt eine innere Richtschnur, einen roten Faden für dich, an dem entlang du wachsen und dich gemäß deiner Natur entfalten kannst. In der Welt der Wahrheit herrscht Ordnung; eine Ordnung, die der Liebe entspringt, der unendlichen Liebe des Schöpfers, des Planers, des All-Seienden, All-Wissenden, Allmächtigen und All-Leidenden; diese Ordnung heißt Wahrheit.
Lebt jedes Wesen gemäß der ihm innewohnenden Wahrheit, so manifestiert sich diese vollkommene göttliche Ordnung; das Resultat ist Schönheit und Harmonie.
Du musst nicht tief graben, um die dir innewohnende Wahrheit zu finden. Sie ist weder vergraben noch verborgen. Sie ist einfach das, was du bist hinter dem, was du zu sein scheinst oder dich bemühst, darzustellen oder zu sein; sie ist einfach das, was du fühlst auf dem Grund deines Herzens; sie ist einfach das, was du wünschst auf dem Grunde deiner Wünsche.
Der Wunsch, den deine Wünsche ausdrücken – das ist der wahre Wunsch deines Herzens, der aus tiefstem Innern aufsteigt und sich manifestieren will durch dich.
Du kannst weder fehlgehen noch verlorengehen in diesem weiten Universum, aber du kannst an deiner Freude vorbei leben, die daraus erwächst, dass du im Lichtkegel des göttlichen Strahls lebst, der dein Schutz und deine Heimat ist.
Immer dann, wenn du im Einklang bist mit deinem innersten Wesen, befindest du dich im Schutz dieses Lichtkegels, und nichts von dem, was um dich herum oder mit dir geschieht, kann dich aus der Geborgenheit dieses Lichts herausreißen.
Natürlich sind Schutz und Liebe auch mit dir, wenn du dich auf Abwegen befindest; aber die vollkommene Geborgenheit erfährst du nur, wenn du im Licht deines göttlichen Strahls, deiner wahren Bestimmung stehst – deiner Individualität.
Individualität ist keine private Sache, sondern eine göttliche Angelegenheit von großer Bedeutung. Je mehr du dich der Liebe öffnest, je bedingungsloser du dein Herz öffnest, je entschiedener du gemäß deiner wahren Natur lebst, Wahrheit bist, Wahrheit denkst und Wahrheit sprichst, desto klarer tritt deine Individualität zutage; desto vollkommener zeigt sich Gott in dir in jener Einzigartigkeit, die du bist.
Je mehr du dich klammerst an deine persönlichen Vorlieben und Abneigungen, je mehr du dich identifizierst mit dem Gebilde aus Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen, das du für dein Ich hältst, desto schwerer ist es für den Strom des Lebens – die Hand des Schöpfers, wenn du so willst -, deine Einzigartigkeit in reiner und vollkommener Weise zu entfalten.
Du musst also nicht deine Einzigartigkeit aufgeben, um Gottes Willen zu tun. Aber du musst alles aufgeben und das Leben durch dich wirken lassen, um deine Einzigartigkeit zu entfalten.
So schenkst du dich der Liebe und wirst selbst zu einem Geschenk der Liebe. Jegliches »ich mag dies« und »jenes mag ich nicht« aufgeben und stattdessen von Augenblick zu Augenblick der Wahrheit deines Herzens folgen: das ist lebendiges Leben.
Mit »ich bin jemand, der dies mag und das nicht mag« schaffst du dir ein künstliches Gebilde, das du »ich« nennst.
Wenn du stattdessen offen bleibst für alles, was dir begegnet, und nur der tieferen Wahrheit folgst, die sich durch dein Herz offenbart, so kann deine Einzigartigkeit sich in jedem Augenblick manifestieren.
Einzigartigkeit, die vollkommene Entfaltung der Individualität ist nicht etwas, das erst anzustreben ist und zu einem zukünftigen Zeitpunkt geschieht; sondern wenn du gemäß deiner inneren Natur lebst, bist du in jedem Augenblick auf deine vollkommene Weise einzigartig.
Um das klar zu unterscheiden: Aus den Vorlieben und Abneigungen, Ängsten und Überlegungen des persönlichen Ich heraus zu leben, ist etwas grundlegend Anderes als aus dem Herzen heraus zu leben.
Wenn du aus dem Herzen heraus lebst, heißt es keineswegs, dass du alles akzeptierst und zu allem ja sagst.
Dein Herz sagt dir, wohin du gehen und was du tun sollst (sollst- deshalb, weil es das ist, was du im tiefsten Innern wünschst), wann du ja und wann du nein sagen sollst. Du folgst einfach dem Gefühl, aber du machst daraus kein »Ich mag dies« oder »Ich mag jenes nicht«.
Wenn Angst dich davon abhält, deiner Wahrheit entsprechend zu leben oder sie zum Ausdruck zu bringen, dann lebst du im Zwiespalt.
Wo Zwiespalt herrscht, herrscht nicht das Herz.
Mache dein Herz zum Herrscher, und es wird keinen Zwiespalt mehr geben.
Kümmere dich als erstes um deine Angst.
Nicht mit dem Verstand; nicht indem du zu ihr sagst: »Du bist überflüssig, verschwinde!«
Kümmert sich dein Verstand auf diese Weise um die Angst, so löst sie sich nicht auf, sondern versteckt sich und beherrscht dich aus ihrem Versteck heraus, ohne dass du es merkst.
Kümmerst du dich überhaupt nicht um deine Angst, so beherrscht sie dich offen.
Kümmert sich aber dein Herz um sie, so wird sie mit dem versorgt, was sie braucht – denn das Herz gibt immer das, was in Wahrheit gebraucht wird, und das ist Liebe.
Gib deiner Angst Liebe! Nimm sie an! Nimmt sie ins Herz. Wage es, sie zu fühlen. Sei eins mit ihr. Das ist alles, was sie braucht. Dann kann sie sich umwandeln.
Das zu üben, erfordert Bewusstsein und immer neuen Entschluss.
Verpflichte dich deinem Herzen Tag für Tag! Nicht nur einmal ganz grundsätzlich, um es dann zu vergessen, bis du wieder vor großen Schwierigkeiten stehst, sondern Tag für Tag!
Morgen für Morgen, Abend für Abend und Mittag für Mittag!
Sage dir: »Ab jetzt ernenne ich mein Herz zum Herrscher über mich und alle meine Angelegenheiten. Was immer geschieht, ich werde auf die Stimme meines Herzens hören und ihr gehorchen; in jeder Situation, die in mir Angst und Pein hervorruft, werde ich mein Herz aufrufen, sich darum zu kümmern.
Ich werde weit zurücktreten mit meinen Vorlieben und Abneigungen und meinem Herzen den Vortritt lassen; mein Herz allein soll bestimmen, welchen Weg ich einschlage.
Reden werde ich nur, wenn mein Herz etwas zu sagen hat; schweigen werde ich, wenn mein Herz schweigt; und um all den inneren Aufruhr, der entsteht, während ich beginne, dies zu üben, wird mein Herz sich kümmern.«
Wenn du dich daran erst mitten in einer Situation erinnerst, die dich bereits in seelische Nöte gebracht hat, dann halte inne und wende dich nach innen. Bitte dein Herz, sich um den Aufruhr zu kümmern.
Wende dann all deine Aufmerksamkeit deinem Herzen zu; atme, denke, fühle mit dem Herzen; und was immer auch geschieht, während du das tust, unterdrücke es nicht. Wenn Tränen fließen wollen, lasse sie fließen; wenn Worte auftauchen, sprich sie aus.
Atme tief und bewusst und lass allem, was geschieht, freien Lauf; bis du gereinigt bist von allem Gift und dich frei und friedvoll fühlst.
Habe keine Angst, das, was du auf dem Herzen hast, auszusprechen. Sobald du das Herz zum Herrscher erhebst und ihm tatsächlich auch die Herrschaft überlässt, geschieht nichts, was nicht der Liebe entspringt und ihren Notwendigkeiten folgt. Seien deine Worte zornig oder freundlich: Wenn sie aus dem Herzen kommen, kommen sie aus der Wahrheit, und die Wahrheit bringt immer Segen.
Was auch immer geschieht, lass dein Herz sich darum kümmern. Das Herz ist ein guter Herrscher, der beste, den es gibt; du kannst ihm getrost die Herrschaft überlassen und dich entspannen. Es gibt nichts zu fürchten.
Wer den Weg des Herzens nicht geht, wandelt auf der Straße des Todes.
Alles, was nicht mit dem Herzen verbunden ist, stirbt früher oder später so wie Gliedmaßen absterben, die nicht mehr mit Blut versorgt werden.
Sind große Teile deines Lebens, ja schlimmstenfalls dein gesamtes Leben dem Herzen entfremdet, so bist du nur zum sehr kleinen Teil lebendig; du existierst zwar und atmest, doch nur ein winziger Teil des Raumes, den du einnimmst durch deine Existenz, ist von Leben erfüllt.
Zu jedem Teil deines Lebens, jeder in deinem Leben existierenden Beziehung, jeder Tätigkeit, allem, was Bestandteil deines Lebens ist, kannst du vom Herzen aus Beziehungen herstellen, ganz gleich, ob du diesen Bereich, diese Tätigkeit, diese Beziehung magst oder nicht magst, schwierig, harmonisch, unsympathisch oder erfüllend findest.
Das Herz hat mit all diesen Bewertungen nichts zu tun; es steht darüber.
Es will berühren und berührt werden; es will fühlen; es will verstehen; es will wachsen und sich weiten.